Form + Natur = Architektur: Das Wohnhaus am Walde

Bauherr: Werkzeugfirmenfamilie? | Architekt: Peter Abelen |Bauzeit: 1955-1956| Am Walde 6 (Elberfeld)| Denkmal seit: 2015| Denkmal-Nr.: 4238

(C) Bergischer Geschichtsverein, Abteilung Wuppertal e.V. / Andreas Komotzki

Das Haus entwarf der Kölner Künstler und Architekt Peter Abelen für die Familie eines Wuppertaler Firmeninhabers. Da zur Bauzeit des Gebäudes bedingt durch die in Wuppertal geltenden Wohnraumzwangsbestimmungen die zulässige Wohnflächenhöchstgrenze für eine vierköpfige Familie plus einer Hausangestellten den Wünschen des Bauherrn nicht entsprachen, erwirkte dieser über die Begründung eines dringend benötigten Arbeitszimmers und der repräsentative Funktion seines Wohnhauses für Geschäftskunden eine größere Wohnfläche.

Das Grundstück mit Hanglage, ursprünglich bewaldet, wurde nach und nach zu einer großen Rasenfläche mit einem umlaufend angelegten Garten geformt und später auch erweitert. Der Baukörper liegt inmitten dieser Rasenfläche. In Lage, Entwurf und Raumabfolge richtet er sich nach dem Lauf der Sonne. Eine schmale Zufahrtsstraße führt zu einer großen Freifläche unterhalb des Eingangs, der über eine aus Bruchsteinen geformte Treppe zu erreichen ist. Das Gebäude präsentiert sich als eingeschossiger, flach gedackter Baukörper, der jedoch die Hanglage auf der Seite des Eingangs für Keller und Garage nutzt. Vom Eingang aus betrachtet, ist der Baukörper symmetrisch,  fächerartig Richtung Garten, also in Richtung Süd-West angelegt. Die Gartenfront sowie die beiden Stirnseiten sind rund gewölbt und werden in ihrer Form durch eine entsprechend im Halbkreis umlaufende Terrasse betont. Der Baukörper wirkt vom Garten aus betrachtet wie eine im Grundstück platzierte Skulptur.

Im Außenbereich wechseln sich zum Garten hin großflächige, zum Teil raumhohe Fensterflächen in glattverputzten Wänden mit Mauerwerk aus grob behauenen Bruchsteinen ab. Unterschiedliche Dachüberstände an den beiden Stirnseiten nach Süden und Westen sowie über dem Eingangsbereich auf der nördlichen Seite dienen dem Licht-Schattenspiel und der engen Verbindung zwischen Baukörper und Natur und sind ein weiteres Zeichen der hier deutlich werdenden organischen Architektur.

Das von Peter Abelen entworfene Haus gilt als Beispiel eines Wohnhauses des gehobenen Wohnstandards der Nachkriegszeit. Es betont mit seiner bewusst gewählten Lage auf den Höhen am Rand der Stadt Wuppertal den neuen Wunsch des Bauherrn nach Privatheit.De So plant er sein Wohnhausnicht mehr wie früher üblich neben seinem Werk, sondern ein freistehendes Haus, das sich zur Natur hin öffnet und  sich gleichzeitigden Blicken der Nachbarn entzieht.

(C) Bergischer Geschichtsverein, Abteilung Wuppertal e.V. / Andreas Komotzki

Denkmalschutzbegründung

„Das Gebäude in Wuppertal ist eines der wenig gebauten und erhaltenen Beispiele für das architektonische Schaffen innerhalb des Werks eines bekannten Künstlers, dessen Werk bisher nicht umfassend erforscht ist. […]  Das Objekt ist auf dem großzügig bemessenen Grundstück in der Hanglage oberhalb des dicht bebauten Wuppertales und außerhalb der engen Ortskerne ein typisches Beispiel für ein nach dem Zweiten Weltkrieg errichtetes Haus mit gehobenen Wohnanspruch. Als ein in der Konzeption ungewöhnliches, jedoch im Raumanspruch aus heutiger Sicht bescheidendes und in der Ausführung sparsames Einfamilienhaus drückt das Objekt exemplarisch die die Nachkriegszeit bestimmenden Bedingungen und das charakteristische Lebensgefühl aus, – als ein Solitär in freier Lage, der sich nach außen schlicht zeigt und zum Garten öffnet.“[1]

Anmerkungen

[1] https://www.wuppertal.de/denkmalliste-online/Detail/Show/15684 (Stand: 8.02.2021).